Salbenküchen-Kurs Teil 10: Kräuter-Tinkturen

Salbenküchen-Kurs: Tinkturen Willkommen beim Salbenküchenkurs Teil 10.

Heute geht es um die Herstellung von Kräuter-Tinkturen.

Am Schluss gibt es noch einen praktischen Teil: eine Blüten-Tinktur wird hergestellt.


Inhalt


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Theorie

Zutaten für Tinkturen Tinkturen sind Auszüge mit Alkohol.

Die Wirkstoffe der Kräuter sollen dabei in die Tinktur übergehen.

Die Tinktur wird aus zwei Gründen mit Alkohol hergestellt:

  • 1. Im Alkohol lösen sich sowohl fettlösliche als auch wasserlösliche Wirkstoffe der Kräuter.
  • 2. Durch den Alkohol wird die Tinktur haltbar gemacht.

Der Alkohol hat also wichtige Aufgaben in einer Tinktur.


Tinkturen in der Salbenküche

Heilcreme mit Tinkturen

In der Salbenküche brauchen wir Tinkturen vor allem für Heilcremes.

Meiner Erfahrung nach kann man größere Tinkturmengen nur in fettreiche Cremes mit Lanolin als Emulgator einarbeiten. In diesen Cremes kann man die Tinktur für die gesamte Wasserphase verwenden. Bei anderen Emulgatoren würde die Creme gerinnen, bei so einem großen Tinktur-Anteil.

Ein paar Tropfen Tinktur kann man aber auch in Gesichts- oder Körpercremes mit anderen Emulgatoren eintropfen, z.B. Kamillentinktur in eine Gesichtscreme für unreine Haut.

Tinkturen eignen sich auch für Gesichtwässer bei fettiger Haut. Man kann Tinkturen auch als Medizin einnehmen oder für Umschläge verwenden, aber das ist ein anderes Kapitel und passt besser in den Heilkräuter-Kurs.


Verwendeter Alkohol

Offizielle Tinkturen aus der Apotheke werden normalerweise mit 70%igem Alkohol hergestellt. Für selbstgemachte Tinkturen reicht aber meistens ein hochprozentiger, klarer Schnaps aus dem Supermarkt. Ich nehme gerne Doppelkorn; Wodka funktioniert aber genau so gut.

Nur wenn ich harz-reiche Kräuter oder Substanzen wie Propolis zu Tinkturen verarbeiten will, nehme ich höher prozentigen Alkohol aus der Apotheke. Dann entscheide ich mich sogar meistens für 96%igen Alkohol, weil darin die Harze am besten gelöst werden.


Frische oder getrocknete Kräuter

Für die selbstgemachten Tinkturen kann man wahlweise getrocknete oder frische Kräuter verwenden. Tinkturen mit getrockneten Kräutern werden meistens intensiver, weil in den frischen Kräutern Wasser enthalten ist, das verdünnend wirkt. Andererseits gehen beim Trocknen auch manche Wirkstoffe verloren, was eher für Tinkturen aus frischen Kräutern spricht.

Wenn Kräuter besonders waserreich sind, sollte man sich am besten für einen 70%igen Alkohol aus der Apotheke entscheiden, damit die Verdünnung ausgeglichen wird. Das gilt beispielsweise für manche Wurzeln.


Einzeln oder Kräutermischungen

Man kann Tinkturen aus einzelnen Kräutern herstellen oder aus Kräutermischungen. Bei Mischungen kann man die Kräuter so zusammenstellen, dass sich ihre Wirkung ergänzt.


Verwendete Kräutermenge

Offizielle Apotheken-Tinkturen werden meistens mit einem Teil Kräuter auf 5 bis 10 Teile Alkohol hergestellt. Weil ich weniger hochprozentigen Alkohol verwende, nehme ich meistens anteilig mehr Kräuter. Normalerweise fülle ich ein Schraubdeckelglas etwa zu Zweidrittel mit Kräutern und gieße dann so viel Alkohol dazu, bis das Glas voll ist.


Ziehdauer

Für selbstgemachte Tinkturen mit handelsüblichem Schnaps empfehle ich eine Ziehzeit von 2 bis 6 Wochen. Das reicht in der Praxis gut aus und man erhält eine kräftige Tinktur.


Tinktur-Nachteile

Ein Nachteil von Tinkturen sollte nicht unerwähnt bleiben. Der Alkohol hat eine austrocknende Wirkung auf die Haut. Das kann manchmal erwünscht sein, beispielsweise bei Pickeln und sehr fettiger Haut. Meistens ist die austrocknende Wirkung jedoch eher unerwünscht.

Bei den fettreichen Heilcremes mit Lanolin wird die austrocknende Wirkung weitgehend durch den hohen Fettanteil ausgeglichen. Daher wirken diese Cremes in der Praxis kaum oder gar nicht austrocknend.

In anderen Zubereitungen sollte man die austrocknende Wirkung des Alkohols jedoch berücksichtigen, z.B. bei Gesichtswässern.


Praktischer Teil

Kommen wir zum praktischen Teil.

Wir machen eine Blütentinktur aus drei verschiedenen Blüten.

Die Tinktur kann für eine Allround-Heilcreme verwendet werden.

Für diese Tinktur braucht man:

  • Etwa 200 ml Doppelkorn oder soviel, wie in das vorgesehene Glas passt.

Zu gleichen Teilen:

  • Lavendel-Blüten
  • Ringelblumen-Blüten
  • Kamillen-Blüten

Insgesamt etwa so viel, um damit das Glas zu Zweidrittel zu füllen.

  • Der Lavendel wirkt hautberuhigend und antibakteriell.
  • Die Ringelblume wirkt hautheilend, auch bei schlecht heilenden Wunden.
  • Die Kamille wirkt entzündungshemmend und antibakteriell.

Das sind nur die wichtigsten Wirkungen dieser Blüten.

Ich nehme hier getrocknete Blüten, aber man kann auch frische Blüten nehmen.

Tinktur vorbereiten Die Blüten gebe ich in ein Schraubdeckelglas. Dann gieße ich den Doppelkorn darüber.

Danach wird das Glas verschlossen und beschriftet.

Nun muss die Tinktur zwei bis sechs Wochen ziehen. Täglich einmal schütteln.

Tinktur abfiltern Nach der Wartezeit filtere ich die Tinktur ab. Dazu nehme ich ein feines Teesieb oder einen Kaffeefilter.

Die Blüten-Tinktur hilft gegen Wunden, Hautentzündungen und Reizungen der Haut. Auch bei Problemen des Bewegungsapparates kann man sie verwenden.

Die fertige Tinktur wird in eine Flasche gefüllt. Die Flasche wird verschlossen und beschriftet.

Die Tinktur hält sich etwa ein Jahr.

Viel Spaß beim Nachmachen und

Gutes Gelingen!


Anregung

Anregung für die Wartezeit bis zum nächsten Kurs-Video:

Wer will, kann eine Blütentinktur herstellen. Wir brauchen sie später im Verlauf des Salbenküchenkurses für eine Allroung-Heilcreme.

Alternativ kann man auch eine Tinktur mit nur einer der Blüten herstellen. Auch damit kann man gute Heilcremes zubereiten.

Alles Gute bis zum nächsten Mal.

Dann geht es um die Herstellung von Kräuter-Ölen.

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